Die Irrungen und Wirrungen meines “Musikerdaseins”

Geposted am Oktober 29th, 2008 von Whykiki. Abgelegt unter Musik, Persönlich.

Ich bin Musiker. Ich war schon Musiker, als ich noch klein war. Nur hatte ich da noch kein Schlagzeug. Und keine Band. Irgendwann hatten meine Eltern dann ein Einsehen. Nac h 15 langen Jahren hartnäckigen Klopfens auf Tischen, Stühlen und was weiß ich. Übrigens so energisch, dass meine damalige Klassenlehrerin meiner Mutter sagte ich sei “hyperaktiv”. Die olle Kuh hätte mich wohl am liebsten auf Ritalin gesetzt. Wobei ich aber sagen kann, dass es nix gebracht hätte. Ich habe von einem Bekannten nämlich ,viel später irgendwann als “Twen” mal Ritalin probiert und bei “gesunden” Menschen wirkt der Krams völlig anders. Nämlich aufputschend. Bamm!
Gut, ist aber eine andere Geschichte. Ich bekam also irgendwann mein heißersehntes Schlagzeug und damit waren die Weichen für meine Musikerkarriere gesetzt. Ich kann da zwar nicht von leben und verdiene auch nicht viel damit, aber ich bin jetzt einfach mal so frei und behaupte, dass ich ein recht guter Drummer bin. Ja, ich weiß Eigenlob stinkt, aber ich wär ja blöd, wenn ich schreiben würde, dass ich nix kann, oder?
Nun ja, irgendwie scheint der liebe Gott einen Teil meiner Familie mit musikalischem Talent versehen zu haben. Mein Bruder ist nämlich unser Bassmann, während mein kleiner Cousin Tim sich gerade zu einem beachtlichen Saxofonisten etwickelt.
Hier auch meine Prognose, damit wir es irgendwann (mit Datum) schwarz auf weiß haben: Der junge Mann wird seinen Weg in der Musik finden. Der ist mittlerweile so gut geworden, ist einfach unglaublich. Ich persönlich sehe ihn irgendwann als gefragten Studio-Saxofonisten oder im Fernsehen. Ich prognostiziere ihm eine Karriere als Profimusiker, wenn er weiterhin derart am Ball (Saxofon) bleibt. Prognose Ende, wir werden sehen!

Aber auch hier schweife ich schon wieder ab…ich wollte ja eigentlich von den Bands erzählen. Also, nach dem diverse Bandprojekte mehr oder weniger erfolgreich waren und schlussendlich scheiterten, haben wir uns erneut zusammen gefunden, um nun nach langen Jahren doch Covermusik zu machen. Ja ehrlich. Früher waren wir erbitterte Gegner von Covermucke, aber mit dem Alter kommt auch die Weisheit und die Erkenntnis, dass man mit guter Covermusik einen erfolgreichen Nebenerwerb generieren kann. Und wenn wir schon keine Rockstars mehr werden können, so waren wir uns doch alle einig, dass wir unsere Talente nicht ungenutzt verschwenden wollen.

Also stieß ich als Erster zur Coverband “Weiss mit Hut”, mein Bruder und Tim (ein anderer Tim, unser erwachsener Lieblingsgitarrist ;-)   ) kamen einige Monate später hinzu. Nun tingeln wir so von Auftritt zu Auftritt und verdienen uns ab und an mal was dazu. Und genau so sollte es auch am letzten Samstag sein.
Wir waren für eine Vereinsfeier in Moers-Repelen gebucht, ich habe das Ganze persönlich nicht weiter hinterfragt, Verein ist Verein. Ich ging allerdings davon aus, dass es sich um einen der Sportvereine in Repelen handeln würde und haderte schon mit einigen, wenigen Angetrunkenen, die gröhlend Wolle Petry fordern würden. Aber gut, da stehen wir ja drüber.

Erste Bedenken kamen mir, als der vollbepackte Bandbus zwar zum Sportplatz in Repelen fuhr, dort allerdings drehte und der Fahrer mir signalisierte: Hey falsch, umdrehen bitte!
Es ging zurück und zwar Richtung Kulturzentrum Rheinkamp. Kenne ich aus meiner Schulzeit, ich hatte dort teilweise Unterricht. Ein schöner großer Saal.
Nun ja, ich hatte zwar Bedenken, die waren aber noch recht gering. Aber irgendwie dämmerte mir schon, dass hier irgendwas faul ist. Ich wusste nur eben nicht was. Irritiert haben mich die Blümchen auf der Bühne und die Reihen gedeckter Kaffeetische.

Noch mal ganz kurz zu der Band. Wir machen Covermusik mit sehr eigenem Stil, teilweise manche Sachen schon leicht jazzig, swingig, andere wiederum seicht und poppig. Insgesamt eher ruhige Musik zum zuhören, keine Volldampf-Party-Gurken. Noch nicht! Ich spiele zum Beispiel auf einem E-Drum-Kit, so können wir nämlich auch in einem stinknormalen Wohnzimmer spielen und sind trotzdem nicht zu laut.
Eine Band für den Besonderen, aber nicht für jeden Anlass.
Aber macht euch selbst ein Bild: www.weissmithut.de

Nun hatte der Veranstalter uns vorher angehört, er hatte eines unserer letzten Konzerte besucht und uns für gut befunden. Umso weniger verstehe ich das, was dann kam. Gebucht waren wir nämlich nicht für einen Verein, sondern für einen Verband. Den “VdK”. Ich glaub das heisst sowas wie “Verband der Kriegsversehrten” oder “Verband der Karteileichen” oder was weiß ich. Na jedenfalls war das Durchschnittsalter dieses Verbands so um die 65 Jahre oder älter! Gebucht hat man uns, so wurde es angekündigt, weil ein “junger” Ortsverband seine Jugendlichkeit zeigen wollte und dies mit einer jungen Band.
Nur leider bezog sich das “jung” nicht auf die Mitglieder, sondern auf das “Bestehen” des Vereins. Satte Fehlplanung würd ich mal sagen.

Nun gut, wie ich ja erwähnt habe, so spielen wir zum Teil schon länger als 12 Jahre gemeinsam in diversen Bands. Unser Improvisationstalent würde ich daher als überdurchschnittlich bezeichnen. So meisterten wir denn auch die ersten 20 Minuten. Wir spielten einfach ein paar Akkorde, ganz leise, schön fluffig. Nur so als Untermalung…ein paar kleine, feine Jams. Dann begannen wir mit dem eigentlichen Programm. Aber auch da zeigten wir uns wandlungsfähig und spielten eben jeden Song halb so schnell und fünfzehn mal so leise wie sonst. Aber der Funke wollte und wollte einfach nicht überspringen. Zwar haben die Herrschaften immer artig geklatscht und ich habe auch den ein oder anderen Gehwagen tanzen sehen, das war’s dann aber auch. Unbefriedigende Situation für uns als Band, unbefríedigend für’s Publikum, weil die lieber was anderes gehört hätten.
Ein alter Herr brachte es in der Pause auf den Punkt: Er hätte in der gleichen Örtlichkeit letzte Woche zwei Shanti-Chöre gesehen, die hätten aber mehr Power gehabt als wir.

Da sieht man es, wir wollten es den Leuten nur Recht machen und schön ruhig und gediegen spielen, damit sich ja niemand beschwert und die Herren (und Damen) wollen aber Ufftata vom Feinsten.
Ende vom Lied war, dass wir unser zweites Set, dass eine Stunde gedauert hätte, nach ca. 20 Minuten beenden durften, weil man in Ruhe essen wollte. Wir sollten zwar danach weiterspielen, hatten aber mit dem Versanstalter durchgerungen, dass um Punkt 18h Feierabend ist. Keiner von uns wollte diesem Elend unbedingt länger als nötig beiwohnen.

Man kann den Gästen ja noch nicht einmal einen Vorwurf machen, genauso wenig kann man uns einen Vorwurf machen. Einzig und allein der werte Herr, der uns kannte und uns gebucht hat muss das auf seine Kappe nehmen. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob so Leute sich überhaupt Gedanken machen, wenn die sowas planen. Oder nehmen die einfach das Erstbeste, was denen in die Finger kommt?
Ich hole das nicht einfach von irgendwo her…diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Ich habe mit den verschiedensten Bands schon die bescheurteste Kacke gespielt. Ohne Witz! Und ich bin sicher, dass nicht nur wir von diesem Phänomen betroffen sind.

Nur mal so ein paar Anekdoten zum Thema am Rande…
Ich glaube es war 2003. Da wurden wir mit unserer alten Band “dollsface” von einem Veranstalter gebucht, der uns zum ersten UND letzten Mal im Jahre 1996 gesehen hatte und das zudem auch noch auf unserem ERSTEN Auftritt. Da waren wir alle fuffzehn und jünger und konnten kaum vier Akkorde. Aber wir haben “Rock” gemacht. Das reichte schon. Der Veranstalter wollte eine “richtige Rockband”.  Und weil wir die einzige Rock-Band waren, die der Veranstalter in den letzten sieben Jahren in seinem Veranstalterleben getroffen hat, fiel die Wahl auf uns.

Wir spielten auf einer…….tadaaaaa…..Karnevalssitzung…..mit Büttenreden….!
Unsere Musik könnte man bezeichnen als Rock-mit-alles. Wir waren zu dem Zeitpunkt eine Band in der Findungsphase. Von Latino und Session bis zu harten Rocksongs war alles dabei.
Aber was wir definitiv NICHT waren, war eine Karnevals-Band.
Der Veranstalter wollte unbedingt was mit “Rock” und wir gingen anfangs (völlig naiv) noch davon aus, dass wir auf einem “Karnevals-Rock” spielen würden.
Ja nix is….Karnevalssitzung vom Feinsten. Gebucht für drei quälende Stunden in den uns die Gäste am liebsten aus dem Raum “rausignoriert” hätten. Natürlich wollte niemand unser Gefidel hören, die waren total angepisst. Is ja auch logisch…wer will “tiefgründige” und zum Teil “traurige” Texte an Karneval?
Da will man Karawanen im Kopp und Pferde auffm Flur und so’n Gedöns.
Mangels Alternativen haben wir das Ding dann bis zum Schluss durchgezogen. Aber Kohle war klasse ;-)
Warum der Veranstalter unbedingt “Rock” haben wollte ist mir bis heute unklar.

Noch mehr???
Hahaha….einmal waren wir in einer Einkaufspassage gebucht. Die wollten auch unbedingt ne ganze Band. Haben auch richtig gut bezahlt. Bescheuert wie wir damals waren, hätten wir ja alles für ein paar Mark gemacht…wir hatten ja nix und so… ;-)
Also haben wir nicht lang gezögert und den Job genommen, leider fehlte uns ein Gitarrist. Ich glaub der war im Urlaub. Hier, aber auch nur hier müssen wir uns den Schuh selbst anziehen. Wir haben trotzdem “Ja” gesagt, obwohl uns ein elementarer Teil der Band fehlte. Und wir hatten vier Stunden Programm zu füllen.
Lustigerweise stellte sich das als das geringste Problem dar. Denn zum Hauptproblem gestaltete sich die Akustik. Wir waren so schweinelaut in dem Einkaufszentrum (da hatte ich noch kein E-Drum), dass sich viele Läden schon beim Soundcheck beschwert haben. Und so Ladenbesitzer sind dann doch schon wieder ne andere Klientel als VdK-Opa’s. Die Herren waren nämlich mächtig angepisst von uns und natürlich auch von demjenigen, der den großen Fehler machte uns zu engagieren. Das haben die uns auch spüren lassen…
Lustigerweise war das irgendwann alles sowas von scheißegal, weil die Läden einfach ihre Türen dichtmachten, so dass wir begannen die Instrumente zu tauschen und zu jammen. Ich hab dann irgendwann Gitarre gespielt. Hauptsache vier Stunden vollgemacht und wieder weg…

Die letzten beiden Geschichten sind aus der Zeit mit meiner Band “Was Wenns Regnet” bzw vorher “dollsface”. Hier könnt ihr mal ein paar Sachen hören: www.waswennsreg.net
Und sie sind wirklich so passiert.

Mittlerweile sind wir aber nicht nur musikalisch älter geworden, auch all zu skurrile Gigs würden wir HEUTE so wahrscheinlich nicht mehr spielen. Aber manchmal passierts dann doch, ob man will oder nicht.
Da steht man dann plötzlich vor ner Horde Oma’s, die schon viel zu alt ist, um dich geil zu finden…

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3 Antworten auf “Die Irrungen und Wirrungen meines “Musikerdaseins””

  1. Billigflug sagt:

    Hallo,

    ich freue mich, dass ihr so viel Spaß am Musizieren habt. Wenn man früh anfängt, dann hat man im späteren Jahren auch was von der jahrelangen Arbeit.
    Ich habe früh angefangen Texte zu schreiben und bin mittlerweile dabei, an meinem ersten Buch zu schreiben.
    Momentan lese ich die Biografie von Rio Reiser und vom Verlauf ähnelt es eurer Geschichte nahezu identisch.
    Ich habe einen Freundeskreis, dem Musik auch sehr wichtig ist. Viele spielen in einer Band, straten alleine durch oder produzieren die Anderen.
    Es gibt nichts Schöneres, als selber Musik zu machen- Frauen stehen auch drauf :-)

    Ich wünsch euch weiterhin viel Erfolg und bloß kein Stress!!!

    Peace

  2. Weiss mit Hut - Die coolste Coverband am Niederrhein | Musiktipps24 - Deine Musik im Web sagt:

    [...] haben wir damals immer gesagt, dass wir NIE NIE NIEMALS Covermusik machen würden. Aber nach 12 langen Jahren, in denen man eigentlich immer nur für die [...]

  3. Weiss Mit Hut: Fantastische Coverband aus Duisburg | Musiktipps24 - Deine Musik im Web sagt:

    [...] die Duisburger sich nicht darauf, die Songs der verschiedenen Künstler 1:1 zu kopieren. Weiss Mit Hut wollten dem Ganzen eine absolut eigene Note geben. So entstanden fantastische Coverversionen von [...]

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